Mobbing – ein Nährbecken für psychische Erkrankungen

Mobbing kann fatale Folgen haben. Grund genug, Anzeichen dafür früh ernst zu nehmen und zu erkennen. Auch im Internet.

Céline nahm sich mit 13 Jahren das Leben. Zuvor wurde sie in der Schule und im Internet gemobbt. Eine Ex-Kollegin verbreitete etwa ein intimes Foto der Schülerin in den sozialen Medien. Obwohl selten solche krasse Fälle an die Öffentlichkeit geraten, ereignen sich tagtäglich Mobbing-Attacken mit weitreichenden Folgen an Schweizer Schulen.

Erst kürzlich mache die Plattform 20min.ch auf einen Fall aufmerksam, bei dem Schüler einem 6-jährigen Jungen auf seine Klamotten gepinkelt haben soll. Es war die Spitze des Eisberges. Der Vater des 6-Jährigen entschied, seinen Sohn in eine andere Schule zu schicken. Mit ein Grund für diesen Entscheid war, dass die Schulleitung zu wenig getan habe, um das Mobbing zu stoppen.

Nach dem Zeitungsbericht meldeten sich mehrere Eltern, die ähnliche Erfahrungen mit der Schule gemacht haben. Kurz darauf nahmen zwei der drei Schulleiter den Hut. Der Grund wurde nicht kommuniziert.

Es ist wichtig, dass Fälle wie jene von Céline und dem 6-jährigen Buben an die Öffentlichkeit gelangen: Nur so werden Unzulänglichkeiten im Umgang mit Mobbing sichtbar. Obwohl das Phänomen keinesfalls neu ist, scheinen viele Schulen damit überfordert zu sein. Das ist fatal. Denn Betroffene leiden oft ihr ganzes Leben unter Mobbing-Erfahrungen. Nicht selten resultieren auch Suizidgedanken und -handlungen sowie psychische Störungen oder Krankheiten daraus.

Dass Verantwortliche bereits bei Mobbing-Attacken an Schulen selbst überfordert sind, ist kein gutes Omen für Mobbing im digitalen Raum. Denn dort bewegen sich Menschen teils anonym, in geschlossenen Gruppen und Nachrichten erreichen innert Minuten unzählige Personen. Schulen und Eltern sind nun in der Verantwortung, ihre Versäumnisse im Umgang mit Mobbing aufzuholen und adäquate Mittel zu schaffen und bereitzustellen, um auch im digitalen Raum gegen Mobbing vorgehen zu können.

Gefragt ist hier auch die Schweizer Politik und Justiz: Bis heute gibt es keinen Straftatbestand zu Cybermobbing. Dafür kämpfen Célines Eltern, Nadya und Candid Pfister. Erst kürzlich wurden sie deshalb mit dem Prix Courage ausgezeichnet. Ihre Arbeit trägt bereits Früchte: SP-Nationalrätin Gabriela Suter hat eine parlamentarische Initiative eingereicht, die vorsieht, das Cybermobbing zum Straftatbestand wird. «Cybermobbing soll zum Straftatbestand werden, wie dies in Österreich bereits der Fall ist. Ich bin überzeugt, dass dies eine präventive, abschreckende Wirkung hätte und die Position der Mobbing-Opfer stärken würde», begründete Suter in einem Medienbericht ihr Handeln.

Auch die frühere Nationalrätin und GLP-Politikerin Chantal Galladé, die als Schulpräsidentin in der Kreisschulpflege in Winterthur Stadt-Töss amtet, will einen Cybermobbing-Straftatbestand im Gesetz verankert sehen: «Als das Strafgesetz gemacht wurde, gab es noch kein Internet und kein Social Media. Diesen neuen Gegebenheiten muss Rechnung getragen werden, wenn wir keine rechtsfreien Räume wollen, in denen die Opfer schutzlos sind», sagt sie. «Ich glaube, dass viele der Generation, die jetzt Gesetze machen, sich zu wenig bewusst sind, was im Internet alles stattfindet und wie prägend das für die junge Generation ist.»

Jolanda Spiess-Hegglin hat den Zeitgeist erkannt: Sie hat mit ihrem Zuger gemeinnützigen Verein #Netzcourage das erste und schweizweit erste Auffangnetz für Betroffene von Cybermobbing gestartet. Sie selbst wurde unzählige Male Zielscheibe von Hasskommentaren und Angriffen im Netz. Greta Gysin, Nationalrätin der Grünen Tessin und Tamara Funiciello, Nationalrätin der SP Bern, beides langjährige NetzCourage-Mitglieder, wurden Ende November als Co-Präsidentinnen eingesetzt.

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