Eine Beziehung mit einer Frau führen, die vergewaltigt wurde

Wie hat man Sex mit einer Frau, die vergewaltigt wurde? Mein Freund und ich kämpfen seit Jahren mit dieser Frage. Doch es gibt Hoffnung.

Als ich das erste Mal vergewaltigt wurde, war ich knapp 20 Jahre alt. Meine Odysse endete mit 22 Jahren, als ich meinen jetzigen Freund kennenlernte, mit dem ich inzwischen mehr als drei Jahre zusammen bin und auch zusammen wohne.

Der Anfang unserer Beziehung war alles andere als einfach. Immer wieder dachte ich, ich sei es nicht wert, geliebt zu werden. Immer wieder machte ich Schluss, weil ich diese Nähe, diese echte Geborgenheit, diese wahrhaftige Liebe nicht wahrhaben wollte. Mein Freund blieb geduldig. Er verliess mich nicht. Und ich erlangte so das Vertrauen in die Liebe wieder. Nach und nach. Langsam, aber stetig.

Seit Beginn unserer Beziehung steht ein Thema im Fokus: Sex. Egal wie lange wir schon zusammen sind, mein Freund und ich können nicht richtig miteinander schlafen. Immer wieder passiert es, dass ich ein Flashback erleide, sprich meine vergangenen Traumas wiedererlebe, als würden sie jetzt passieren. Ich rutsche in vergangenes Erleben und kann nicht mehr unterscheiden, was jetzt ist und was war. Es kam mehrmals vor, dass ich nach dem Sex mit meinem Freund solche Flashbacks oder Panikattacken erlitt.

Kein Wunder fiel es mir schwer, mich wieder auf den Sex einzulassen. Mein Freund drängte mich nie dazu. Er ist unheimlich geduldig und bringt ein Verständnis auf, vor dem ich meinen Hut ziehe. Wären nur alle Männer so.

Mir ist klar, dass es so nicht weitergehen kann. Ich will Sex wieder geniessen können. Das ist ein hohes Ziel und bis dahin ist ein langer Weg. Doch ich bin überzeugt, dass auch Frauen, die vergewaltigt wurden oder sonst von sexueller Ausbeutung betroffen sind, irgendwann wieder so leben können, wie sie es möchten und sich vorstellen.

Geduld ist hierbei das Schlüsselwort. Fortschritte kommen in kleinen Etappen. Umso mehr muss gefeiert werden, wenn sich auch nur schon etwas kleines verändert hat. Dafür braucht es professionelle Unterstützung. Ein Ansatz ist eine Traumatherapie. Eine solche kann ambulant, aber auch stationär in einer psychiatrischen Klinik vollzogen werden.

Ich habe mich noch keiner Traumatherapie gewidmet. Doch ich werde es. Weil ich akzeptiert habe, dass mir Schreckliches widerfahren ist. Das Beschissene daran: Ich muss selbst dafür kämpfen, dass es wieder gut kommt.

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